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OP – Hilfe in der Not

Chakra-Tiere als Begleiter und Helfer vor und nach meiner Operation

von Raffaella Mayana

Vor vielen Jahren zog ich mir bei einem Unfall schwere Verletzungen zu. Wie durch ein Wunder habe ich außer einem fehlenden Geruchssinn keine bleibenden Schäden davongetragen. Allerdings machte mir mein linkes Knie nach einem damals nicht operierten Kreuzbandriss Probleme, die Schmerzen schränkten mich in meiner Bewegungsfreiheit immer mehr ein und ich entschloss mich, das Knie operieren zu lassen. Der Schritt zur OP löste viele Ängste vor dem Spital und dem damit verbundenen Ausgeliefert-Sein aus. Deshalb machte ich eine Reise, um meine Tiere zu befragen, was zu tun sei:

Reise ca. drei Wochen vor der OP

turtle1.gifIch liege auf einer Wiese am Rücken. Schildkröte kommt und legt sich unter meine Knie, damit ich mich besser entspannen kann. Ihr Panzer hat zwei Kerben, in die meine Beine hineinpassen. Nachdem ich gefragt habe, was ich über meine Knie wissen soll, lässt sie plötzlich ihren Panzer stehen und kriecht heraus. Das Tier, das nun vor mir auf dem Boden sitzt ändert ständig seine Form. Mal hat es Beine, mal nicht. Es möchte sich nicht festlegen. Es genießt die Fähigkeit, sich ununterbrochen verändern zu können. Für mich ist der Kontakt mit ihm sehr schwierig. Es ist unscharf, nicht fassbar. „Das ist doch der Sinn der Sache!“ meint es. Ich frage, ob es für mich eine beständige Form annehmen könnte, damit ich mir leichter tue.

 
Da steht plötzlich ein Hase vor mir. Unbeschwert hoppelt er auf der Wiese herum, frisst mal hier mal da und kümmert sich nicht um mich. Er tut so als wäre ich nicht da. Ich frage ihn, wann er das erste Mal in mein Leben getreten ist. Er hat ziemlich große Ohren. Sie werden größer und größer, bis es schließlich zwei Ballons geworden sind. Ich soll zu ihm kommen und mich an seinem Hals festhalten. Wir fliegen sehr schnell durch ein Rohr und landen in einem dunklen Raum. Es fühlt sich beklemmend an. Ich habe Angst und Herzklopfen. Ein Teil von mir weiß, was da ist. Die Augen vom Hasen leuchten böse in der Dunkelheit – unheimlich! Er wirkt sehr feindlich gesinnt. Ich habe ziemliche Wut auf ihn. Ich würde ihn am liebsten packen und durch die Luft gegen die Wand schleudern! Er sagt: „Du würdest mich nicht zu fassen kriegen! In diesem Raum gibt es einen Lichtschalter. Suche ihn!“ „Warum drehst du ihn nicht auf? Warum muss ich ihn suchen?“ Hase entgegnet: „Ich habe die Berechtigung dafür nicht!“

Ich taste mich voran. Teppichboden. Wand aus Stein – Marmor – glatt und kühl. Es kommen Erinnerungen an Untersuchungen im Spital als Kind. Schmerzen und Angst. Das Gefühl nicht zu wissen, was mit einem passiert. Mein Vater ist da und erklärt es mir nicht, obwohl ich ihn frage. Wir sind im Spital. Das Wartezimmer ist voller Leute. Weinende Kinder und Babys. Wir werden durchgelotst und kommen ohne Wartezeit vor allen anderen als erste dran. Ich finde das sehr ungerecht. Den anderen Kindern geht es viel schlechter als mir, trotzdem werden wir vorgezogen. Ich wollte das nicht. Meine Mutter hat gesagt, dass wir etwas besseres sind. Ich habe das gehasst, konnte das nie spüren oder verstehen. Die anderen Mütter im Wartezimmer haben – im Gegensatz zu meiner Mutter – ihre Kinder im Arm gehabt…

Ein Seelenanteil von mir ist noch dort! Ich habe mich dort im Wartezimmer dazugesetzt und bin einfach dort geblieben. Ich will in den Arm genommen und abgeholt werden. Ich will bei mir sein. „Es war einfach besser, neben diesen fremden Frauen zu sitzen und mich anzulehnen als bei den eigenen Eltern.“ Die Wut gegen den Hasen ist die Wut über meine Eltern. Sie haben überhaupt nicht kapiert, wie es mir gegangen ist. Das ist so oft passiert – ich war so oft krank im Spital…

Wir halten uns umarmt. Klar, dass ich die Kleine jetzt mitnehme. Sie freut sich sehr, dass sie nicht mehr so verloren ist.

Plötzlich ist es hell. Der Hase ist weiß – es ist mein Herzhase! „Es hat mich ziemlich viel Mühe gekostet heute zu dir zu kommen,“ sagt er. Er braucht Nähe. Die Kleine kennt ihn. Sie bedankt sich bei ihm. Die beiden scheinen viel Kontakt zu haben. Es ist wie bei Alice im Wunderland: der Hase hat ihr geholfen.

Hase sagt: „Schau mit deinem Herzen auf deine Fragen. Es geht nicht darum, noch mehr auszuhalten! Du weißt es, du hast es gewusst und du versuchst schon wieder, etwas anderes daraus zu machen! Du hattest die Antwort für dich schon! Die Wut hindert dich, es anzunehmen. Es spielt eine große Rolle, welches Umfeld du bestimmst. Ob du aus der Haltung des Leidens oder der Haltung der Heilung da hineingehst. Dein Vater ist nicht mehr der gleiche, der er war. Auch du hast dich verändert. Jetzt musst du diejenige sein, die die Kleine an der Hand nimmt. Und das kannst du auch!“

Ich trage sie jetzt Huckepack. „Du brauchst mich nur die nächsten zwei bis drei Tage mit dir tragen,“ sagt sie. „Ich bin ganz leicht. Danach ist es ann abgeschlossen und ich bin wieder in dir. Du darfst mich in dieser Zeit nicht absetzen.“ Das fühlt sich so schön an. Sie hat ihren Kopf seitlich an meinen gelegt, ihr Kinn auf meiner Schulter. Sie ist ca. 4 – 5 Jahre alt. Hase sieht jetzt toll aus: er hat ein ganz weiches Fell, ist größer geworden und sprüht vor Energie.

Reise drei Tage vor der Knieoperation

Ich liege auf einer Wiese umringt von Felsen. Am Boden liegen lauter Rosenblütenblätter. Alles sieht sehr feierlich aus. Ich soll mich hinlegen und in den Himmel schauen. Ich kann die Rosen riechen. Über mir Schönwetterwolken. Eine Erinnerung kommt: Als Kind bin ich oft mit meiner Schwester in der Wiese gelegen. Wir haben stundenlang die Wolken beobachtet und uns erzählt, was wir darin sahen. Eine sehr schöne Erinnerung.

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Herz-Hase kommt. Er hat heute eine rote Masche um den Hals und ein Glöckchen. „Warum ist alles so festlich?“ frage ich ihn. „Heute ist ein Festtag!“ antwortet er. „Wir haben das schon lange vorbereitet.“ Der Hirsch und die Bären sind auch da. Alle haben ein rotes Schmuck-Teil an sich. Die Bären haben rote Schürzen, dem Hirsch hängt rotes Lametta im Geweih. Pelikan hat rote Schuhe an, die genauso aussehen, wie seine Füße. Die Spinne hat einen kleinen roten Zylinder auf. Manta hat rote Sonnenbrillen. Ich muss sehr lachen über diese lustige Gesellschaft. Sie finden das auch ziemlich lustig. Schon bei der Planung – als sie sich überlegt haben, was sich jeder zulegt – haben sie Lachkrämpfe gehabt.

„Rot ist die Farbe des Heilens.“ sagt der Hase. „Es ist heute ein Festtag, weil du diesen Schritt machen wirst und dich entschlossen hast, etwas heil werden zu lassen.“

Dieses Bild – wie ich da auf Rosen gebettet bin und alle Tiere um mich herum in einem Heilkreis stehen – dieses Bild soll ich mir herrufen, kurz bevor ich in die Narkose gehe. Sie werden die ganze Zeit bei mir sein. Ich darf auch ab und zu lachen! Sie sind alle so lustig! Das mit dem Ernst-Sein habe ich eh lange genug betrieben…

Jetzt fangen sie auch noch an zu tanzen! Schlange hat ein rotes Tuch umgebunden. „Wir machen ein Fest für dich, weil wir so stolz auf dich sind! Du hast es in letzter Zeit so leicht geschafft, auf dich aufzupassen, weil du auf deine innere Stimme gehört hast. Wir finden das toll und wollen, dass du weitermachst – deshalb feiern wir ein Fest! Pelikan kommt her und sagt: „Ich bin sehr froh, dass du dich so gut vorbereitet hast! Du brauchst dir keine Sorgen zu machen – der Weg ist bereitet. Du brauchst dich nur zurücklegen.“

Ich kann überhaupt nicht ernst bleiben, wenn ich sie so anschaue…
Das ist auch der Zweck – mich selbst nicht so ernst zu nehmen. Sie singen „When the Saints go marching in…“ und tanzen. Wir spielen, lachen, tanzen und singen – Fröhlichkeit – alles erwünscht! Superschön!

Alle kommen näher und zur Ruhe. Ich spüre von jedem einzelnen Tier eine ganz große Nähe, Wärme und Verbundenheit. Ich bin sehr froh so begleitet zu sein und so berührt zu werden. Dieses Gefühl kann ich mitnehmen: ganz nah und ganz sicher.

Nach der Operation erfahre ich, dass – wie durch ein Wunder – mein Kreuzband vor 15 Jahren gar nicht in sich gerissen war, sondern nur am Ende vom Knochen gelöst war und all die Jahre gut versorgt darauf gewartet hat, wieder angenäht zu werden. Der Gips, der mir die Sicht auf die Wunde verwehrt und mich zwei Monate begleiten wird löst wiederum Angstgefühle aus, dass die Narbe riesig ist, bzw. mein Knie schrecklich aussieht. Also mache ich wieder eine Reise:

Ich bin im Spitalsbett. Herz-Hase ist da. Er ist größer als ein Mensch und hat einen weißen Kittel an. „Ich finde, wir könnten schon heute nachsehen, wie es unter deinem Gips aussieht.“ sagt er und beginnt, mit seinen riesigen Schneidezähnen den Gips aufzunagen. „Es ist wichtig, Licht in die Sache zu bringen!“ Jetzt hat er der Länge nach einen Spalt aufgebissen. Unzählige Blüten in allen Farben schweben heraus und erfüllen den ganzen Raum. Wie ist das möglich?

Im Gips ist gar nicht mein Bein – es ist eine Tür! Es tut gar nicht weh! Wenn man den Gips aufspaltet entsteht ein Eingang in eine Felshöhle am Meer. Das Wasser leuchtet. „Geh hinein, jemand wird dich abholen!“ sagt Hase.

Ich bin unter Wasser mit Manta – meinem Stirnchakra-Tier. Ich liege auf seinem Rücken und wir schwimmen. Schön, so schwerelos durch das Wasser zu schweben! Wir kommen zu einer riesigen Luftblase unter Wasser, die wie eine Kuppel über dem Boden hängt. Auf ihrer Oberfläche liegen viele andere Mantas. Ich kann nicht erkennen, was in der Luftblase ist –die Oberfläche spiegelt zu sehr. „Das ist der Ort der Zusammenkunft.“ sagt Manta. „Du musst nur den Eingang finden!“

Die Luftblase fühlt sich toll an – fast wie Glas! Diese Grenze zwischen Wasser und Luft – so undurchdringlich! Eine klare Grenze. Ich lege mich auf die Luftblase drauf und beginne einzusinken. Langsam bildet sich um mich herum eine Blase wie ein Tropfen, mit der ich hineinfalle. Ein Stück Meerwasser habe ich mitgenommen.

Es ist sehr hell hier – ich sehe viele Lichtreflexe. Ich kann die Mantas draußen sehen – sie liegen wie eine riesige Kuppel über mir. Das hat etwas sehr Feierliches. Ich fühle mich wie in einer Kathedrale mit riesigen bunten Glasfenstern. Eine Schlange taucht auf. Sie ist perlmuttfarben mit milchiger Haut. „Ich muss dich fressen!“ sagt sie. „Habe keine Angst, es wird nicht weh tun.“ Schon beginnt sie, mich bei den Füßen langsam in sich hinein zu würgen. Sie ist sehr groß. Ein eigenartiges Gefühl: Ihre Ringmuskeln schieben mich immer ein Stück weiter.

Es taucht eine ganze Serie von Bildern in mir auf – schnelle Schnitte – Erinnerungen – alles sehr unangenehme Situationen: großer Stress, viel zu laute Musik, viel zu schnell fahren, zu viele Menschen, zu helles Licht, Lärm… Ich kann die Bilder nicht konkretisieren, sie nicht an einem Ort festmachen. All das wird von der Schlange verdaut! Während ich in ihrem Bauch liege, passiert Reinigung! Ich kann durch die Haut der Schlange durchsehen: die Mantas schauen auf mich, sehen mich und sind meine Zeugen!

Die Schlange hat mich wieder heraus gewürgt. Sie bedankt sich bei mir, dass ich das zugelassen und mich nicht gewehrt habe. Mein Körper fühlt sich toll an: Jede einzelne Zelle fühlt sich erleichtert. Ein Gefühl von innerem Strahlen – ganz leicht. Manta fragt: „Bist du bereit, wieder zurück zu kehren?“ Es fällt mir schwer, diesen Raum zu verlassen.

Schließlich kehre ich doch zurück, durch die Höhle in das Spitalszimmer. Hase sagt: „Habe keine Angst vor dem, was noch verborgen ist. Die Heilung findet statt und lässt sich nicht mehr aufhalten. Darauf kannst du vertrauen!“


Nach der Gipsabnahme staune ich sehr über die perfekt verheilte und kaum sichtbare Operationsnarbe. Entgegen der Prognosen des Arztes gehe ich bereits nach einem (!) Tag ohne Krücken und brauche bereits nach weiteren vier (!) Tagen nicht einmal mehr einen Stützstrumpf für das Knie. Nach drei Wochen habe ich wieder die volle Beweglichkeit erlangt. Ein Heilungsprozess, der in seiner Kürze Ärzte und Physiotherapeuten erstaunt.

Ein halbes Jahr später führt mich eine Reise während der Ausbildung wieder zu dem alten Thema des Unfalles zurück:

snake.gifBauchschlange windet sich spiralförmig aus meinem Bauchnabel heraus. Sie sieht mich an. Ihre Flügel bestehen aus Flammen. Sie beißt mich in den Hals. Ich kann spüren, wie ihre Zähne in mich eindringen und etwas in mich injiziert wird. Dann kriecht sie wieder durch den Nabel zurück in meinen Bauch und von dort innen weiter in mein linkes Bein. Ein ziehendes Gefühl. Beim Hineinkriechen in mein Bein nimmt sie alle Sehnen Muskeln, Knochen und das Gewebe in sich auf. Nun ist sie mein Bein – nur meine Haut befindet sich noch außen herum. Sie verdaut es. Ich spüre nur noch sie unter meiner Haut. Ich kann spüren, dass sie ganz intensiv arbeitet. Ich reagiere mit einer Mischung aus Vertrauen und Ekel. Das hat mit einer älteren Verletzung zu tun. Genauso wie die jüngere muss auch die ältere heilen. Schlange löst die harten Strukturen auf, damit die Sache in Bewegung kommt. Ich frage sie, ob sie mir dazu Bilder zeigen kann. Sie antwortet: „Diesmal nicht, denn das würde nicht zur Heilung beitragen. Vertraue mir und lass mich einfach machen.“ Da fängt mein Bein an zu kribbeln, als wären 1000 Ameisen darin gefangen. Schlange kriecht unten durch die Ferse wieder aus meinem Bein heraus. Es fühlt sich an, als wäre mein Bein aus Gummi.

Sie wickelt sich von außen spiralförmig um mein rechtes Bein. Die Flammen ihrer Flügel sind wie kleine Stromstöße. Sie schaut mich die ganze Zeit über sehr intensiv an. Ihre Flammen werden jetzt immer dunkler. Aus meinem Bein kommt etwas dunkles heraus. Danach schillert sie wieder in allen Regenbogenfarben. Mein rechts Bein fühlt sich jetzt ganz leicht an.

Nun beginnt sie, über meinen Rumpf den Hals entlang zu kriechen. Sie nimmt meinen ganzen Kopf von oben in ihr Maul. Ich weine, weil mich das erschreckt. Jetzt habe ich keinen Kopf mehr. Der Körper der Schlange ist meine Wirbelsäule geworden und statt meinem habe ich jetzt ihren Kopf. Das ist ein tolles Gefühl – sehr angenehm! Schlange ist immer und absolut im Jetzt – ganz wach, ganz präsent. Sie spürt alles um sie herum. Es gibt außer dem Jetzt gar nichts.

Dann krabbelt sie ganz schnell wieder aus mir heraus und meint, ich hätte genug gesehen. Sie bedankt sich bei mir für mein Vertrauen in sie und dass ich alles zugelassen habe, was sie mit mir gemacht hat. Dann kriecht sie wieder in meinen Bauch und rollt sich zufrieden ein.
 
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