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Die Katzeninsel

von Raffaella Mayana

tiger2_1.gifIch bin mit einem Holzfloß auf dem Meer unterwegs und steuere auf eine kleine Insel zu, auf der dichter Dschungel wächst. Ich lande am Strand. Ein Tiger schaut aus dem Dickicht hervor. Er ist sehr groß, wirkt aber nicht gefährlich. Gemächlich lässt er sich nieder und schaut mich ganz entspannt an. Dann beginnt er Übungen vorzumachen und meint ich solle sie nachmachen. Er dehnt seine Vorderpfoten und Hinterbeine. „Du bist so verspannt, mach mit und renk dich ein!“ Wir kugeln im Sand herum. Dann gehen wir los und entdecken eine Flussmündung. Wir gehen entlang des Flusses stromaufwärts. Im Wasser sind viele Fische, Krokodile und Schildkröten – es wuselt nur so von Tieren. In den Bäumen sitzen viele bunte Vögel. Alles ist so bunt!

Wir kommen zu einer Lichtung im Dschungel. Ganz viele verschiedene Raubkatzen sitzen da im Kreis. Ein atemberaubender Anblick! Sie haben auf mich gewartet. Sie sind wunderschön!

Ich soll mich in ihre Mitte setzen. Ich bin total aufgeregt. Hier herrscht eine ganz massive Konzentration von Kraft, Schönheit, Stolz und Würde um mich herum! Wow!

Pelikan (mein Kehlchakratier) setzt sich zu mir und sagt: „Hab keine Angst! Hab Vertrauen! Sie sind dir wohlgesonnen!“ Die Raubkatzen kommen näher, machen einen engen Kreis um mich und legen sich hin. Ich bin mitten in einem Haufen von Raubtieren! Pelikan ist auch da. Ich kann alle atmen spüren. Wie ist das möglich, dass so viele unterschiedliche Katzen so eng nebeneinander liegen? Schließlich haben sie ja auch unterschiedliche Lebensräume.
Ein dunkler Jaguar sagt: „Wir haben das Bewusstsein aktiviert, dass wir alle vom selben Ursprung abstammen. Das ermöglicht uns, friedlich in dieser Gemeinschaft zu leben.“ Pelikan meint: „Präge dir dieses Gefühl sehr gut ein. Alle diese Katzen sind mit dir verbunden und haben einen engen Bezug zu dir.“
Ich bin noch immer ganz atemlos, weil sie mir so mächtig erscheinen. Ein Jaguar schaut mich lange an ohne etwas zu sagen. Es findet eine Art Energieübertragung über die Agen statt. Ein starkes Gefühl – ganz tiefe Ruhe wird spürbar. Ich bin auch zu einer Katze geworden. Die Atemlosigkeit ist weg. Ich bin jetzt ganz verbunden und gehöre dazu. Ich bin ein Teil von diesem Rudel, das so bunt durcheinander gemischt ist. Das ist ein wunderschönes Gefühl: ganz dazu zu gehören, unter meinesgleichen.

Wir schwärmen aus. Ich laufe durch das Dickicht. Ich kann sehr schnell laufen – bin einfach und ohne Anstrengung auf einen Baum hinauf. Ich habe ziemlich viele Krallen. Genauso schnell wie ich hinaufgekommen bin, kann ich auch wieder herunterspringen. Ich kann die anderen wahrnehmen, ohne sie zu sehen – ich weiß wo sie sind. Die Katze, die ich eben noch war, steht nun vor mir – ein Leopard. Er schaut mich mit seinen hellen Augen eindringlich an: „Du kannst jederzeit an diesen Platz zurückkommen. Rufe einfach, dann sind alle wieder da. Wenn du dich schwach fühlst, oder das Gefühl hast, angegriffen zu werden, ignoriere uns nicht! Es schwächt dich und uns, wenn du so tust, als ob wir nicht da wären! Wir brauchen es, präsent sein zu dürfen! Wir wollen mehr Kontakt mit dir! Deine Atemlosigkeit kam daher, weil du schon so lange nicht mehr bei uns warst. Deshalb hast du uns als Fremde empfunden. Aber das sind wir nicht! Wir sind deine Verbündeten! Wenn du zu uns kommst, hilft dir das, deine Kraft gut einzusetzen.“

Diese ganze Insel ist so etwas wie meine Welt, in der ich zu Hause bin. Ein heiliger Ort. Da gibt es noch vieles zu entdecken…

Das ist ein Ort, an dem ich absolut sicher bin. Ein großer Vogel kommt, mit dem ich einen Rundflug über diesem Ort mache. Ich sehe von oben einen großen Berg mit einem See auf der Insel. Er ist sehr schön. Der Vogel sagt: „Wie fühlt man sich, wenn man eine eigene Insel hat?“ „Reich und sehr glücklich über so viel schönen Raum.“ Ich habe Zweifel, dass das alles wirklich mir gehört. Er beteuert, dass das alles meines ist und dass niemand anderer herkommt, den ich nicht hier haben will. Wir landen auf dem Berg. Ich gehe auf den Felsen herum und sehe mir alles an. Alles ist ganz perfekt. Ich entdecke eine kleine Quelle. Hier kann man einfach nur sein – ohne Angst und Zweifel! Ich kann hier bleiben, solange ich will. Ich bin immer eingeladen. Den Katzen geht es jetzt viel besser. Mir auch. Sie kommen noch einmal an dem Platz zusammen. Wir schauen uns alle ganz lange an.

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